Mittwoch, 16. Januar 2019

Train a grande vitesse

Deine schmale Silhouette,
die langen Arme, langen Haare...

Hoch oben
an einem offenen Fenster
in einem
Mietshaus aus rotem Sandstein
mit vielen Etagen
stehst du und
winkst kurz.

Du schaust zu mir.

Die Hand am Fenstergriff.

Klein bist du von hier unten.

Klein und fern.

Du schaust zu mir.

Nicht das Fenster schließen!




Montag, 10. Dezember 2018

In deinen Armen

gelten keine Regeln,
nur:
funkelnde Energie,
die auflädt,
reibt,
explodiert,
lockt,
steigt,
schmilzt.

In deinen Armen bin ich
wo ich nicht sein will -
bei mir.

Du sagst, du freust dich für
mich. Aber
freust du dich auch für dich?

In deinen Armen ist es ein langer Weg
in deine Arme.




Wenn du schläfst

Wenn du schläfst, bist du in weiter Ferne.

Deine Augen fester geschlossen
als der Himmel
an den du glaubst.

Tiefe, dunkle, lockende Wälder,
russische Weite, freundliche Wolken.

Eine Hütte, der Vater winkt, die Mutter im weißen Kleid
dichtet.

Der Hund springt durch das mannshohe Gras.

Es gibt einfache Mahlzeiten und du singst Lieder
unvergänglichen Lebens,
wie nur kleine Mädchen sie singen.

Wenn du schläfst, bist du in weiter Ferne

angekommen.




Samstag, 13. Oktober 2018

Hamburg

Es gibt dieses Hamburg,
das an Thornton Wilder denken lässt.

Milde Strenge, nachsichtige Klugheit, Optimismus,
dass wir in bürgerlicher Gemeinschaft ein gutes Leben führen werden.

Blauer Himmel, Musik, an einem Kiosk tanzen Menschen, aber nicht allzu
ekstatisch.

Der Weg vom Dammtor-Bahnhof Richtung Alster.

Ein japanischer Garten mitten in der Stadt.

Sorgfältig weiß gestrichene Gründerzeitbauten,
ich gehe in eine Galerie, spreche über einen Künstler,  überrasche mich und die Galeristin
mit Offenheit.

Ich dachte, dies ist der Ort, an den ich gehöre.

Eines Tages werde ich hier wohnen in diesem Quadratkilometer heiter
rationaler Architektur aus einem Geist, der nie vergeht.

Es wird dunkel, die ruhigen, kleinen Restaurants leeren sich, die Schar der schweigsam
mahnenden Eltern mit ihren Kindern verlässt Planten und Boomen,
bevor sich der überraschend heiße Oktobertag völlig dem Ende zuneigt.

Ich gehe in mein Hotel, schaue aus dem 11. Stock auf den Sonnenuntergang über
dem heiteren Grün und die nach Hause eilenden Menschen und merke:

Niemand wohnt hier.

Ich bin so allein wie damals.

Da war ich 20 und hatte eine Hoffnung.

"Da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten, und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe - das einzig Bleibende, der einzige Sinn."



Sonntag, 23. September 2018

Schmerz

Nahe der Ohnmacht,
schwitzend,
absolut alleingelassen
rase ich durch die Stadt.

Mein Schädel droht zu platzen.

Meine Sicht verschwimmt, Autos rasen vor mir, neben mir, über mir.

Ich hab' eine Stunde.
Werde ich es zum Zahnarzt schaffen, um die opiumhaltigen Schmerzstiller zu bekommen?
Werde ich meinem Kleinen das Fahrrad rechtzeitig bringen,
damit er zum Kindergeburtstag kann?
Werde ich rechtzeitig die neuen Werbespots geschrieben haben, auf die
10 für mein finanzielles Überleben wichtige Menschen warten, in diesem Augenblick, in
500 km Entfernung, alle abhängig von dem, was mir gleich einfällt,
wenn ich diesen höllischen Schmerz
abgestellt habe?

"Diesen höllischen Schmerz abstellen", denke
ich.

Abstellen.



Kunstgeschichte

"Ich bin jetzt Teil der Kunstgeschichte",
sagst du und schaust mich an aus deinen
tiefblauen, tieftraurigen Augen und trinkst einen Schluck
Kräutertee.

Die Haare weiß, sehr kurz,
am Hinterkopf bereits ausgefallen.
Wie bei deinem Vater, der dich,
als du noch schwarzes Haar hattest,
das du lang wachsen ließt,
mit hartem Militärgriff im Nacken packte und übers Klo
zwang,
um mit einer Haushaltsschere
deine Mähne zu kürzen, während Du weintest und fluchtest und deine Mutter
irgendwo im Hintergrund
hysterisch schrie,
was sie ohnehin meistens
und meistens
ohne besonderen Grund
tat.

Dein Sohn, jetzt 16, kann kaum schreiben und liest nicht, sagst du.
Er floh aus dem Internat, in dem er Abi machen sollte, nach nur
2 Tagen.

Deine geschiedene Frau, eine blutsaugende, psychotische, anmutige,
ungleich talentiertere Person als du,
hat ihre Kunst aufgeben
müssen.

Deine Fotos zeigen meist schwarz weiße Ansichten von
zersiedelten Gegenden, Häusern, in denen
sich solche Geschichten nun mal
abspielen.

Aber Du bist nicht mehr Teil dieser,
ihrer,
seiner,
meiner,
ja nicht einmal
deiner Lebensgeschichte.

Du bist sicher.

Du bist Kunstgeschichte.



Fantasy Land

Dein ernster Blick
unter Blondschopf
in der
Warteschlange.

Ohne Angst
mit Skepsis
und manchmal Freude
gehst du allem entgegen,
was dich interessiert,
während du alles andere
mit unbeugsamem Willen
und letztgültiger Verachtung
meidest.

Wenn es sein muss, auch
regelmäßige Mahlzeiten.

Ich möchte sehr lange leben, um deine Reise
mitzuerleben, Sohn.

It' ll be a blast!





Montag, 7. Mai 2018

Pittura metafisica

Blauer, ausdrucksloser Himmel ohne Tiefe.

Scharfgezeichnete Schatten auf
der klassizistischen Fassade
des Hotelneubaus,
eingerüstet bis in den Himmel.

Keine Bauarbeiter.

Keine Maschinen.

Stille.

Leuchtender Sandstein. Blauer Himmel.

Stille.

Dieser Bildschirm.

Tief im Innern des Bürogebäudes
das Geräusch einer schließenden Aufzugtür.

Gedämpfte Schritte.

Zukunft.

Mit mir,
ohne mich.




Sonntag, 6. Mai 2018

The night

I walked into the night.

A long and lonely walk into the
dark
all by myself.

Curious,
scared,
sad,
yet
determined
I approached
some kinda
final stage.

Expecting no one to be by my side.
No one to be next to me
in the dark.

And then I heard your voice
like silver bells
right next to me,
you looked at me and you were
there.
With your questioning  smile and your boyish blond hair.

The only person who' s there in my final hour:
my beloved son.




Mittwoch, 2. Mai 2018

The Damned

We played soccer.

The Captain' s son and I.

I kicked the ball right into his stomach.

He cried.

I felt guilty.

Poor kid, he was only 10.

Later the Captain left his kids and wife.

That hurt probably

even more.

Life is endlessly cruel,

isn' t it?




Müdigkeit

frisst sich durch die Haut meines
vom vielen Kaffee
zuckenden Gesichts.

Auch im Zustand ermatteter Gleichgültigkeit
kann ich Euch jederzeit
durchschauen.

Dann eigentlich
sogar
noch besser.

Neue Allianzen.

Geheime Treffen.

Lange Telefonate.

Konsequente Strategien.



Macht mal was anders.


Fordert mich heraus!




Frühling 2018

Einer meiner Freunde hat jetzt einen Hollywood-Agenten.

Seine Ex-Freundin einen 2jährigen Jungen mit Adhs, beide warten
darauf,
dass der Vater aus der Psychiatrie kommt.
Trotzdem verdienen sie gut und machen, 
was sie immer schon machen 
wollten.

Meine beiden Kinder sind stark und 
wachsen 
und verlieren zunehmend den Respekt vor mir, 
weil sie spüren, dass
ich irgendwie nicht schaffe, was ich schaffen 
wollte.



Donnerstag, 8. März 2018

Den Todestag

vergessen.

Vor ein paar Tagen.

Mein Vater...

Seine Muskeln, sein Wissen, seine Wärme... vergangen.

Wie auch die Erwartung, dass ich würde
wie er.



Welchen Ort

auf diesem Planeten würdest du sehen wollen,
wenn du wüsstest, dass du in einigen Tagen erblindest?

Keinen,
sie würde nur in ihr altes Viertel gehen und
nach den Menschen sehen, die sie dort
zurückgelassen hat.

Aber es muss doch auch einen Ort geben?

Es sind nicht die Orte, es sind die Menschen.

Und plötzlich kam ich mir alt vor.

Und unbelehrbar jung.

Und dumm.




Sein Traum

war dieses Haus im gehobenen Kleinbürgerviertel,
wo die Kreativen wohnen, mit den Volvos und
Wohnmobilen und den kleinen Werbe- und Grafikagenturen.
"Bevor ich dieses Haus verkaufe sterbe ich, egal wie viel Druck die Bank macht!"

Und nun, vor einigen Tagen
baumelte er am Strick, den er vorher um den
sorgfältig restaurierten
Querbalken
schlug, der
durch die offene Wohnküche führt,
und die oberen Geschosse trägt, wo die
Kinderzimmer
sind.

Seine Ex fand ihn morgens.

Vielleicht ahnte sie all das bereits,
als sie damals mit den Kindern fortzog
ins Villenviertel vor der Stadt.




Schnell, schnell

du fühlst etwas!
Schreib es auf!
Lass es leben, bevor es hinabsinkt in den tödlichen Grund des
Alltags.




Freitag, 29. Dezember 2017

Dezember

Draußen das dröhnende Faltrohr des Trockengebläses, das aus
dem frisch zementierten Luxuswohnblock
führt.

Schneeflockengestöber.

Frühe Dunkelheit.

Parkapassanten.

Motoren.

Winter.




Mittwoch, 27. Dezember 2017

Christmas

betäubt
von der Härte
der Menschen,
starrte ich auf meinen
Sohn, der eine komplizierte Maschine aus
buntem Plastik
zusammenbaute.

Bis seine Mutter ihm riet, etwas anderes zu tun
und er in seinem Zimmer verschwand
hinter einem knappen Bildschirm.

Und der Andere die Frage stellte,
ob heute wirklich der Geburtstag von Gottes Sohn sei
und warum wir ihm dann nichts
schenkten.




Freitag, 8. Dezember 2017

Kow tow

Ich werde mich dir niemals beugen,
nie in deine Augen
fallen, tiefer als der
Bosporus.

Ich werde es nicht zulassen,
dass du schlecht über mich redest,
einspannst für deine
Zwecke.

Ich werde die Nächte vergessen, wie ich vergessen habe,
zu bereuen,
ich werde die langen, geteilten Stunden und Zigaretten
löschen wie
Daten von einer Festplatte.

Ich werde die Orte meiden, die wir aufsuchten, die langen Küsse in den
Hauseingängen
nie wieder schmecken.

Ich werde noch lange an dich denken.

Und ich werde nie nachschauen, wie du aussiehst,
weil es kein Foto gibt, das dich wirklich zeigt.

Aber solltest auch du an mich denken:

Think something sweet of me!




Schnee, früher


In der schmutzigen, engen, hektischen
Innenstadt
fiel das schwere, weiße Wasser
vom Himmel,
schlug auf
vor den Geschäftsfilialen und taute
sogleich, 
ließ den Fluss in der Stadt
anschwellen.

All das interessierte mich.

Ich renne zum Eingang, und der warme Geruch der Pizzeria
umfängt mich, während ich in meinem Parka, nur halb zugehörig
zu solcher Bürgerlichkeit
gebeten werde, Platz zu nehmen,
und zu warten.

Bist Du schon da, kommt Du noch?

Und dann kommst Du in Deiner wattierten, weißen, durchnässten Jacke
Unbeschützt, kaum bemuttert und bevatert ,
wir beide,
eigenständiger, als wir das je sein wollten,
küssen wir uns,
voller Vorfreude auf einen langen Nachmittag
letztgültiger Gespräche im dichten, warmen
Rauch der Selbstgedrehten.

All die Zeit vor uns.

Die nun vergangen ist.

Wo sind wir?

Wo bist du?


Wo bin ich?




Freitag, 20. Oktober 2017

Politics of love

The way you look at me...

There' s something you know about me, that I don' t know
myself.

I' m not sure if I want to know
about it.

But the more I look at you, the more I learn
about it.

I can still close my eyes
forever.




Donnerstag, 19. Oktober 2017

Oktober

Auf dem Weg
morgens
in der Straßenbahn.

Im stinkenden U-Bahntunnel,
wo ich früher mal nachts saß mit der Gitarre,
betrunken, glücklich, jung,
zog ich mir verschwitzt
im zu warmen Mantel
das Ticket Richtung Hauptbahnhof.

Hielt mich in der vollen Bahn
an der grauen Haltestange
über mir
fest.

Balancierte die hochkant gestellte
Reisetasche.

Etwas kribbelte auf meinem Handrücken.
Ich dachte, "schlechte Durchblutung".
aber es war
mitten im tiefen Oktober
eine fette, schwarze Fliege.

Ich schüttelte sie heftig ab.

Die Umstehenden reagierten nicht.

Mein Herz schlug bis zum Hals.

Blut pumpte durch meinen Körper.

Es wird knapp.

Es ist knapp.




Montag, 9. Oktober 2017

Someday

I' ll remember to forget,
sang er.

Und tat es.

Tauschte die Blicke seiner Söhne und Töchter ein gegen diesen
Nobelpreis,
den er nicht einmal abholte.



Pioniere 2045

"Auf diesem Planeten sind mit hoher Wahrscheinlichkeit
bereits heute
Menschen unterwegs, die nicht mehr sterben werden",
sagte er
und sie blickte ihn an und 
er wusste, was sie sich
nicht
wünschte.



Herbst 17

Die Welt dreht sich nun dorthin, wo wir uns von uns selbst
verabschieden.

Was sag' ich meinem Kinde?



Sonntag, 3. September 2017

Mein Sohn

blickt über die Stadt
vom 12. Stockwerk
des Hochhauses, in dem meine
alte, übergewichtige, kluge,
jedoch
rätselhaft unglückliche
Mutter
lebt.

Er ist seit wenigen Tagen auf der weiterführenden Schule.

Draußen auf dem Balkon
kehrt er
dem
Ende
da drin
einfach seinen jugendlichen,
durchtrainierten,
braun gebrannten
Rücken.



Durch die Zeiten

Sie erhofften sich Glück und Reichtum,
für sich selbst.
Bekamen Krieg,
heirateten,
flohen,
betrogen
wurden betrogen
bauten,
zeugten.
Ihre Kinder erhofften sich Glück und Reichtum
für sich selbst.
heirateten nicht,
flohen,
betrogen
wurden betrogen
mieteten,
zeugten.
Ihre Enkel...



Freitag, 25. August 2017

Dein Blick

Als wir damals jung und voller
Erwartungen
nach Rom fuhren, schrieb ich von Deinem Strahlen,
dem Sonnenkranz Deines Duftes,
ewigen Kategorien,

usw.

Heute sehe ich Deinen Blick auf einem whatsapp-Foto.

Halb geschlossene, schwere Lider, blitzende Augen.

Wie damals!

Kein Lächeln.

Nur Lust.

Wie konnte ich das übersehen?



Oma

Gekrümmt schleppte sie sich die Treppen hinauf
zum Dom.

Wollte unbedingt hinein.

Es war ihr egal, was die anderen wollten.

Ihre beiden Enkel gingen beinahe verloren im Getümmel auf der Domplatte,
sie schaute sich nicht einmal um nach ihnen um.

Sie ging eine Runde, staunte über das Richterfenster und den Goldsarg der
Heiligen Drei Könige.

Stellte dann später fest, dass sicher viele Menschen gestorben wären,
damit dieser Bau vollendet werden konnte.

Das war ihr wichtig:
das alles seinen Preis hat.



Freitag, 7. Juli 2017

Debussy

Der weite leere Horizont
Nordfrankreichs.

Plötzlich sah man diese 
eigenartige Architektur. 

Die Autoroute de l' est war zu Ende,
man war in 
Paris.

Ich wusste aus dem "Zeit"-Magazin,
dass diese Hochhaussiedlung 
"Debussy"
hieß.

Viel später, im Musikunterricht in der obersten Etage der
weiterführenden 
Schule,
spielte unser Musiklehrer uns 
"Arabesque No 1"
vor.

Das Schönste, das ich je gehört hatte.

Die Hochhaussiedlung machte Schlagzeilen mit Ausschreitungen.

Das Klavierstück flog in gleitenden Tonbögen weiter und weiter...
Debussy...

Meine von Ferne schüchtern geliebte Geliebte schenkte mir ein
unverhofftes Lächeln.

Beschämt vor Glück
schweifte
mein Blick nach draußen,
wo sich die grünen Sommerbäume
lautlos 
im Regenwind bogen.

Ein Schaufelbagger hob neben der Straße einen
Kanal aus.

Auf dem Baggerarm stand in schwarzen Lettern "Mengele".

Viele Jahre später erfuhr ich:
Tatsächlich gehörte die Baufahrzeugfirma der Familie des KZ-Arztes.

Die Musik klang langsam aus.

Der Lehrer schwieg.

Wir alle schwiegen.

Der Regen schlug an die Fenster,
schwach hörte man die Motorgeräusche des Baggers.

Debussy.



We' re not gonna mention

Trump.



Donnerstag, 6. Juli 2017

Wo sind wir

an diesem Ort ohne Namen,
dieser Stadt ohne Gesicht
mit den gleichgültigen,
fröhlichen Menschen?

Wo sind wir?

kurz bevor das, was kommt
kürzer sein wird, als das,
was
war?

Was war.



Samstag, 24. Juni 2017

Hitze

Der große Sommer von 1976
war für uns Kinder ein Segen.

Die Erwachsenen erloschen unter der sengenden Sonne
und wir Kinder huschten als flinke Schatten
unerkannt durchs Dorf.

Klauten Kirschen und kalte Cola.
Übten ungeschickt Küssen.
Verschwanden in hohen Kornfeldern,
dunklen Wäldern,
schleuderten auf den langen Schaukeln
in den ewig blauen Himmel.

Sich selbst überlassen im Hitzetraum unvergänglicher Kindheit.

Paradies.



Mittwoch, 7. Juni 2017

Bewildered

My father looked
bewildered
when I found out
he had three more kids with this
beautiful black woman.

He turned right, turned left,
didn' t know what to do or what to say.

He was his usual strong, painful
self
in this dream
I had.

But what was most comforting:
the fact, that I didn't care about any of
those strange news I just learned, I was just happy
to
see him,
hear him.

Be close to him.



Shades

Und so ertragen wir,
dass alles stets so endet, wie es
sich ankündigt.

Blicken in die Menschen und sehen
wie sie sein werden.

Trockener Wind treibt Blütenstaub in
tränende Augen.

I think, I need my shades.



Montag, 5. Juni 2017

Blick aus dem Zugfenster

So lasst uns hoffen,
dass zumindest an einem jener
herrlich klaren
Wintermorgen,
die kerzengerade
majestätisch 
aus weißer Schneelandschaft 
in den heiligblauen Himmel aufsteigende 
Rauchsäule
den Mitarbeitern der
Schutzstaffel
leise Zweifel
abgerungen hat.



Deine Hand

tagsüber streiten wir oft.
Wir schaffen unseren Alltag nicht
und geben uns gegenseitig die Schuld.

Verloren im Familienwahnsinn.

Schreie, Ohnmacht.

Nachts,
wenn ich spät zu Bett komme,
schiebt sich deine warme, gute Hand unter meine harte Schulter.

Stärker vereint als in den
wilden
Vereinigungen früher:
wir zwei,
die wir niemanden haben, außer uns und den Kindern,
die wir niemals
verlassen
dürfen.



Heimat again

Graue Wintertage,
allein verbracht
entlang des Flusses,
das grün-graue
Moos
auf den nassen Felsen der
Flusshänge,
Eisschollen auf dem dunklen Wasser,
beißender, tröstender
Zigarettenqualm
im Mantelkragen,
ein Stift,
Papier,
mehr brauchte es nicht
in den Achtzigern
für einige handfeste,
suizidale
Ideen.



Sonntag, 20. November 2016

Nächtliche Ahnung

An einem jener trunkenen, verregneten Abende
in Hamburg...

Unablässig viel zu starke Zigaretten rauchend, 
als ob man die beeindruckende Menge an Leben betäuben müsste,
die durch einen hindurchpulst.

Draußen,
im heimeligen Dauerschauer,
vor dem gekippten Fenster die grünen schwankenden Bäume, 
drinnen
der Rauch, der Geruch von Holz und Tinte und
als 
ich erwähnte, dass ich sie gefunden habe
im Internet
aber unter einem anderen Namen auf einem anderen Kontinent aber eindeutig sie,
das Kinn, das eckig-schöne Gesicht, 
herausfordernde Lust und Zweifel zugleich
in den Augen,
da wurdest Du 
still.

Konntest Du vorher nicht tief genug in jedes Gesprächsthema dringen,
war es jetzt so,
dass Du plötzlich still wurdest und dann
schnell und unauffällig über etwas anders reden wolltest.

Ich spürte, Du wusstest etwas.

Ich hätte fragen können.

Ich hätte etwas erfahren.

Es hätte gedauert, aber Du hättest es mir
gesagt.

Ich schwieg eine Weile und wog ab.

Dann sprachen wir wieder über den Regen,
wie schön er ist,
wie kalt und wie
klar.

Always back to Lorraine.



Viele

haben mich gefragt,
wieso ich
eine Frau
liebe
und nicht,
wie es sich für einen Künstlerischen
gehört,
viele.

Meistens ist es wohl Liebe,
manchmal auch die Furcht, dass man das,
was man bei der einen vermisst, bei der anderen
und der anderen und
der anderen und
der anderen

nicht finden
wird.



Erwachsen werden

bedeutet
als Mann,
begreifen, wie Frauen
sind
und sie nichtsdestotrotz
weiter zu
lieben.

Oder zumindest mal
eine.



Samstag, 22. Oktober 2016

Woher wusstest Du,

welchen Weg alles nehmen würde,
was passieren würde, ließe ich Dich für eine Sekunde
aus den Augen?

Woher wusstest Du,
dass er Deine Hand, verborgen unter einem Stapel
Winterjacken,
sofort
und ohne zu zögern
nehmen würde,
in diesem roten Golf,
in den Achtzigern,
und sie anfangs scheinbar niemals,
einige Monate später jedoch
plötzlich
für immer
loslassen würde?

Woher wusstest Du,
dass ich Dich niemals suchen würde, Dir niemals
Fragen stellen oder nachreisen oder
verzeihen?

Woher wusstest Du, dass ich 20 Jahre lang nicht ahnen würde,
wie sehr
Du mich geliebt hast?

Woher wusstest Du, dass ich niemals
diese Frau
fragen würde,
die einen anderen Namen hat, aber Dein Gesicht und
auf einem anderen Kontinent lebt,
ob sie
Du
ist?

What happened?



Die Insel

ewige Brandung
schlägt an die schwarzen Steine.

Bananenplantagen ziehen sich die schwarzen Lavawände
hinauf.

Palmen als unwahrscheinliche
Farbtupfer.

Wolken fließen über die schwarzen Bergkämme.

Sie braucht mich nicht,
die Insel.



Deine Eltern

Du warst immer ihr Liebling,
ihr Augenstern.

Sie hätten es nicht ertragen, wäre Dir etwas Schlimmes passiert.
Du hättest es nicht ertragen, wäre Ihnen etwas Schlimmes passiert.

Und so war Deine Erleichterung groß,
als sie
tot
waren.



Samstag, 8. Oktober 2016

Hate

if you must hate
- be funny.

If you love
- be yourself.

If you don' t care
- get lost.



Adam und Eva


Nackt-Dating Shows,
Dschungelcamp,
Bachelor,
Container,
etc.

Selbsterniedrigung, Folter und Häme
- moderne Massenunterhaltung
und natürlich:
super Werbung für den IS.



Donnerstag, 6. Oktober 2016

Der Tag bisher

Der Sohn sagt, in seinem Rucksack verstaue er nur wertvolle Sachen:
Geld und Kastanien.

Sein Blondschopf hinter der dicken Glastür des Kindergartens
beim Abschied.

Ich weiche allen aus, die mit mir reden wollen.

Ein Lachsbrot in der Bäckerei.

Wasser.

Ein Zahn bricht.

Unerwartete Sonne überall in der Stadt.

Am Zebrastreifen hält niemand für die
schwarze Familie.

In einem Sternerestaurant Fisch mit zuviel Butter gegessen.

Eine zu junge Frau in einer Thermojacke steigt aus einem glänzenden 80.000 Euro-Mercedes
und geht ins Fitnessstudio, das 15 Euro Monatsbeitrag kostet.

Kurz schaut sie mich an. Ich schaue zurück,

schließe mein Rad ab und gehe
schreiben.



Escobar' s son

was fat, ugly, not too bright when he was a child.
But his father adored him anyway.
The father is dead and the son seems to be a decent guy now.
Smart, articulate, an architect.
Maybe because no one ever dared to give him shit when
he was
little.




Montag, 3. Oktober 2016

Zum Judenmord

bedurfte es keiner besonders gearteten Bosheit.
Manche waren einfach gern dabei.
So wie man bei einem Volksfest dabei ist.

Ein Volksfest, das man als arme Frau besucht
und als reiche Frau verlässt.



Deutsche Einheit

Die Enkel
der ordnungsversessenen, sexuell gestörten, faulen, gierigen Massenmörder aus dem Westen
zwingen
die Enkel
der ordnungsversessenen, sexuell gestörten, faulen, gierigen Massenmörder aus dem Osten
ins Imperium.

Glückwunsch.





Danke

für Dein Unverständnis.
Deinen unverstellten Hass,
deine kleinkarierte Rechthaberei,
Dein brutales
Niedermachen
anderer Positionen
als Deiner.

Für Deine Gleichgültigkeit, Deine Krankheit.

Danke für diese große Lücke, die Du
in meine Seele gerissen hast.
Danke für die Depressionen, die verzweifelten, betrunkenen
Jahre,
in denen ich nicht fassen konnte,
dass meine eigene Mutter mich nicht versteht, nicht unterstützt, und ganz offensichtlich nicht
liebt.

Danke.

Es treibt mich an.

Mehr zu tun.

Mehr zu wissen.

Mehr zu schreiben.

Mehr zu fühlen.

Mehr zu denken.

Mehr zu lieben.

Nicht
unterzugehen
und nicht den Anschluss zu verlieren
an die
Menschen.



Samstag, 1. Oktober 2016

I fancy the idea

of love.

I don' t believe in
anything real.



Escobar

always wanted to learn
and go to university.

He never accomplished that.

But he enabled his son to live this dream,
by loving  him
and caring about him.





I got nothing

no name to claim
no sum to dump.

Nothing
I can give.

Nothing
I can  lose.

I' m the most selfish bastard
in the world.



Mittwoch, 21. September 2016

Herbst again

der warme Luftblock plötzlich durchbrochen
vom ersten
kühlen Windhauch -
mitten auf der Kreuzung
Innere Kanal/Venloer.

Ein Auto schaltet die Scheinwerfer ein,
das Räderrauschen auf dem Asphalt -
näher.

Die Silhouetten der Fußgänger und Radfahrer im frühen
Dunkel
gegen den tiefblauen Abendhimmel.

Als wollte sich
dieses Jahr
nun doch
deutlich
mitteilen.





Montag, 19. September 2016

Sie

liebt es,
kontrolliert zu werden.

Allerdings
bestimmt sie gern selbst,
von wem.




Du

warst immer sehr vorsichtig,
was bestimmte Typen anging,
die Dir weh tun.

Er warnte Dich
vor mir.

Ich sei so einer.

Er hatte Recht.

Ich tat Dir weh.

Er aber zerstörte Dich.




Dienstag, 23. August 2016

Es gibt niemanden

mehr, der dich sonntags
anruft, um zu hören wie es
dir geht.

Niemanden, der deinen Namen trägt,
der dich sonntags anruft und fragt
wie es dir
geht.

Das kann auch eine
Befreiung
sein.



Mittwoch, 13. Juli 2016

Der Stalker

kraulte deinen Rücken
mit manischer Präzision
stundenlang, ohne Unterlass.
Für alle
im Raum
stets ein peinliches und würdeloses Schauspiel.

Daraus wurde dann ein Kind.

Das du auf dem Arm hältst, weil es nicht bei ihm bleibt.

Du kraulst dem Stalker den Rücken.

Er blickt nicht auf.

Gewonnen.




Wir als Kinder

in den Siebzigern.

Durch die Ruinen
elterlicher Lieblosigkeit und
kleinbürgerlicher
Hoffnungen
streifend.

Mietwohnungskinder
waren wir.

Mietwohnungskinder sind wir noch
immer.




Küsse

schickst du mir auf französisch,
bisous,
und ich
glaube Dir,
wie immer,
gerne.



Deine Stimme

verbirgt tapfer
die Enttäuschung.

So kann man auch ein Leben
rum kriegen.




Montag, 27. Juni 2016

130 Seiten, II

also hast du meine Idee
gestohlen.

Wieder mal.

Teuer verkauft.

Gut, gut.

Solange du nichts
Eigenes
zu erzählen
hast...

Wollen wir mal nicht
kleinlich
sein.

Oder...

Ich könnte Dich schlagen.

Dann hättest du etwas zu erzählen.
- Du etwas zu erzählen.




Advice

let yourself be amazed
by those
children.



This song

you sent me...

Eighties.

Computer sounds.

Passion.

Nihilism.

Berlin.

I understood
immediately.

He got jealous and started conquering
you.

And won you.

Now you wonder
where I am.

Where you are.

With this child in your arms.

You believed in me.

How could you assume,
I was better than
you.

How could I assume I was better than
you.



17 days

let the rain come down,
let the rain come down,
let the rain come down down.

Cities drowning.

I could be your lover.

You could be me my fantasy.

Hiding under those sheets.

Whispering....

A triumph.

Let' s leave it at that.

Fantasy.

Rain.

The city.

Night.

Early morning.

Shame
yeah, yeah...

But
death is
approaching.

Let' s be a little more destructive,
' kay?



Montag, 20. Juni 2016

Europe II

a rotten apple,
falling from a
tree.



Einem toten Freund

Wie Jean Pierre Léaud als junger Erwachsener
leuchtend-klug, sensibel,
zugänglich-arrogant,
selbstgewiss
kamst Du auf mich zu damals in dieser zum Filmstudio umgebauten
Fertigungshalle
und
ich war fasziniert von der Anziehungskraft, die Du auf
alle
hattest.

Du warst ein wenig zu gut für uns.

Deine
Offenheit und Dein Enthusiasmus...
verschwendet an
Minderbegabte.

Bei manchem löste das Neid und Wut aus.

Dein großartiger Sinn für Humor, Deine Menschlichkeit...
Du hast einen Mitarbeiter für diese Filmproduktion eingestellt,  nur weil Du wusstest, er braucht den
Job und obwohl Du wusstest, dass er ihn nicht gut machen würde im
Sinne von halbwegs zufriedenstellend,
hast Du ihn eingestellt, auch weil Du sehen wolltest, wie die anderen Mitarbeiter,
deren Chef Du warst und deren Projekt, das ja auch Dein Projekt war, gelingen sollte,
auf diesen Menschen reagieren würden. Ob sie menschlich mit ihm sein würden oder verzweifeln,
wobei Du stets wusstest - weil ihr frei darin verbunden wart -
dass diese Person die Einzige sein würde, die
unter Kritik
nicht leiden würde.

Das habe ich nie vergessen.

Christlicher Anarchismus über deutschen Pragmatismus.

Und obwohl Du die Kirche ablehntest, war sie voll bei Deiner Beerdigung.

Wir Trauernden erfuhren:
Du hattest nach dem Tod Deiner Frau viele Gespräche mit dem Pfarrer geführt und ihn
häufig
schwer genervt.

In den wichtigen Dingen nie nachlässig; immer neugierig und forschend,
vom Rätsel umgeben,
ob Deine letzten Worte,
"Scheitern als Möglichkeit"
ernst gemeint waren,
hast Du da eine große Gemeinde auf die Beine gebracht, die im Regen Erde
auf Dein Grab warf,
inmitten der grünen Hügel,
weit weg von der Stadt,
wo niemand von uns, die wir stumm im steilen Friedhofshang standen und
erschüttert waren,
je wieder hinfahren wird.

"Güte", sonst interessiert mich nichts an einem Menschen"
könnte von Dir sein.

Die Kinder Deiner Schwester haben so laut geweint in der Kirche, wie ich nie  zuvor
Kinder habe weinen hören.

Du warst kein berühmter Mann aber um Dich haben
Engel geweint.




Vanity

I ain' t too vain
' cause everything' s
in vain.



Europa

Wir würden alle zusammen kommen, wir würden uns freuen,
wir würden uns kennen lernen!
Wie in dieser Fernsehshow, 
vor der wir als Kinder saßen und 
für manchen Abend
die Größe dieser Idee 
begriffen.

Heute rennen frustrierte Spanier durch Berlin,
auf der Suche nach einem Job und billigen Drogen.

Engländer saufen sich tot auf Mallorca.

Rumänische Nutten schuften für einen Sklavenlohn.

Franzosen haben Angst.

Luxemburger sind verdächtig reich.

Niederländer verkaufen Selbstmordpillen.

Skandinavier verlieren sich in Mordphantasien.

...

Seid willkommen, Syrer!

Leider kommt ihr zu spät.



Staub

Früher,
als Kinder,
hockten wir
unter dem abgebrochenem Beton-
boden
der Garagenanlage
der Siedlung
im Staub und starrten hinaus in den
Regen.

Sahen, wie erst dicke Tropfen in die trockene Sommererde platzten,
dann der hellrote Boden eindunkelte,
schließlich kleine Bäche
den Hang hinunter schossen
und im Dickicht des Waldes
verschwanden.

Aus Prasseln wurde Rauschen
und die Geräusche der Siedlung
ausgeblendet
und wir waren
allein.

Kauerten im trockenen Staub, über uns der dicke, schrundige Beton
- es roch es nach Sommer, nach Erde,
nach Ewigkeit -
starrten verständnislos ins feuchte, pulsierende Dickicht
und umklammerten in unseren kleinen Fäusten
die gefundenen
Patronen.



Dienstag, 14. Juni 2016

Westerberg

"I.O.U
nothing."

But that' s not right.

He ows.

Big time.

And he' s paying back.

Like the rest of us.

Who have betrayed
Bob Stinson.



Lady from the Highlands

Dein müder, hungriger
Blick.

Früher 
hätte ich mein Glück gegeben,
um für immer darin zu versinken,
wie in einem 
schlammigen, warmen 
See.

Nun sendest du mir diesen Blick beinahe täglich.

Und ich antworte nicht.

Obwohl die Versuchung groß ist, in den
wohligen Schmutz
zu tauchen.

Nur noch einmal.



Freund

Da war es wieder.
Das uralte Gefühl aus meiner Kindheit,
jemandem nah sein zu wollen.

Weiter zu reden.

Nicht allein zu sein, mit seinen Gedanken.

Aber auch das lästige Fordern und die
Intensität und die eigenen Gedanken, die,
ich weiß,
zu viel für die meisten sind.

Ich verstehe und gehe.

Lass euch.

Kehre der schwülen Nacht und den Menschentrauben in den Straßen, dem Tanz und den Drogen, der
Musik den Rücken.

Und schreibe.

Und gewöhne mich daran,
nicht zu vermissen.

Nicht
vermisst
zu werden.



Sommer im Dorf

Früher eingetaucht ins hohe Gras,
die Felder,
in der Abendsonne, allein oder mit ihr
fern der Häuser und der Menschen in ihnen.

Heute sind diese Häuser leer.

Und viele der Menschen, denen man früher fern sein wollte,
tot.



Rain

is my best friend.

Ever since I was little
I got a scared when it stopped
and the
predators
came out of their
holes.



L' été

je ne l'ai pas vue.

Comme
l' année dernière.



Montag, 13. Juni 2016

Comic perspective

every man' s comic perspective
is what he wants to be
written on his
tombstone.

Mine would be:
It could be worse.

Not very original,
but true.



So I look at myself

and realize:
it' s getting better.

I' m not afraid of mankind
anymore.

I know:
we will always go for the worst idea
just to
survive
a little longer.



Samstag, 28. Mai 2016

Der deutsche Film

Ein riesiger Saal
voller Gespenster.

Vorne auf der Bühne
schmerbäuchige, ergraute
Berufsjugendliche,
nymphomane oder neurotische
ewige
Mädchen.

Immer wieder regelmäßig eingeblendet:
Dennenesch Zoudé
Hannelore Elster
Carolin Peters.

Plötzlich ein Lichtstrahl.

Vorne steht ein
ein Kind.

Es sagt etwas und beschämt die
von sich selbst ergriffene,
Horde.

In ein paar Jahren gehört es
fest dazu.



Berlin

Gleißende Sonne,
schmatzendes Grün,
trunkene Jugendliche
in der
stinkenden Bahn.

Besoffen und vollgedröhnt
in den Flieger
zurück
torkeln,
vollkommen weggetreten.

Was alles wurde diesen Körpern angetan
in den
Nächten.

Das Angebot der Stadt:
lass dich fallen.

Fall ab.

Sei
Abfall.




Sonntag, 17. April 2016

General advice concerning places

It never quite matched.

Her life, her hopes, her future, her people and her
places.

She never knew why she was
there.

And not someplace else.

If you don' t know
why you are
where you are,
make something
up.

Otherwise you' ll get lost in the story of your
ancestors.




Samstag, 16. April 2016

Noch

ist es nicht völlig
dunkel.

Aber so hell wie Gestern
wird es nie wieder.





Wir fliehen Ihn,

um Ihn zu nicht loben, uns nicht von Ihm annehmen zu lassen,
sondern Ihn zu imitieren,
nicht Sein Reich kommen zu lassen, sondern
unseres,
in dem wir alles kaufen können,
unser tägliches Brot und
Vergebung,
unseren Willen.

Wo es keine Schuld gibt, sondern wir nach
Schuldigern suchen,
die uns nähren,
damit wir keiner Versuchung
widerstehen müssen,
und täglich leugnen, dass wir es sind,
das Böse.

Denn das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit sind nicht bereits längst da
und sein,
sondern sollen geschaffen werden von
uns,
auf dass wir endlich
Er sind.

Natürlich wird er uns dafür töten.

Aber nicht einmal das überlassen wir Ihm.

Weil wir größer sein wollen als Er.

In Ewigkeit.












Mittwoch, 6. April 2016

Gottsucher

sind sie eigentlich, im tiefsten Grund ihrer eisigen, bösen, verwundeten Herzen,
diese verzweifelten atheistischen, ungeliebten, weißen
Männer
des Silicon Valley, die sich wünschen, dass wir unsere Seelen
downloaden in unsere Facebookprofile,
dass wir ewig leben und Raum-Zeitreisen unternehmen.

Gegen ein gewisses Entgelt,
zur entrichten via Paypal an
Alphabet und Co.

Sie halten Gott für nicht existent, sagen sie.

Und wollen doch um jeden erdenklichen Preis,
werden wie
Er.





Dienstag, 5. April 2016

Junge Literatur

ist immer gleich:
junge Menschen laufen durch die Gegend,
es wird geliebt,
oder sich danach gesehnt, gefeiert, Großstadt geschildert und -
ganz wichtig -
geraucht.

Immer gleich.

Brecht, Keun, Handke, Kracht, Rönne.

Wirklich Großes bringt leider nur der
Krieg
hervor.





Montag, 4. April 2016

von Rönne

eines will sie ganz bestimmt nicht sein, sagt sie:
die Stimme ihrer Generation.

Was sie zur Stimme ihrer Generation
macht.













Sonntag, 3. April 2016

Happy End

Meine Vorfahren
aus dem hohen Norden, verschollen
auf der einsamen tobenden See, jämmerlich krepiert auf Schiffen
an Krankheiten oder, mütterlicherseits
im
weiten, farbigen, singenden
Osten,
geächtet von
Nazis,
ausgerottet von Sowjets.

Ich sitze hier nachts unter Neonlicht und meine Geschichte ist die,
dass es draußen, obgleich es warm ist, regnet
und ich nur eine Daunenjacke dabei habe und
keine Kapuze und
mit meinem
Fahrrad mit dem defekten Tretlager nach
Hause fahren werde und
die Jacke hoffentlich trocknet bis
morgen.





Neues vom Ich

Ich
machte Pause vom
Ich.

Ich fand es sinnlos angesichts dessen, was
kommt,
"Ich" zu
sagen.

Ich war näher bei den
Meinen.

Wir verbrachten Zeit.

Ich und die
Anderen.






Samstag, 19. März 2016

The question of you

I stare at you
at night...

Are you a disease or are you
a
cure?

Will you ever be mine,
will I ever be yours?





Donnerstag, 17. März 2016

Meine berühmten Freunde

steigen in diesen
Regennächten
in dunkle
Limousinen und fahren
davon, größerem Ruhm und größerer
Ehre
entgegen.

Ich überquere die Straße mit ihren
armseligen, bunten
Reflektionen,
Schneematsch,
spiegelnden Pfützen.

Die Limousinen zischen vorüber.
Winkende Hände hinter verdunkelten
Scheiben.

Ich geh allein in mein bescheidenes
Vertreterhotel.

3.04 Uhr.

Draußen rauscht die Autobahn
neben dem
Fluß.






Freitag, 12. Februar 2016

Der alte KZ-Wachmann

Einfältig sieht er aus,
der 94jährige, der
KZ-Wachmann
in Auschwitz war und nun angeklagt ist,
mitschuldig zu sein am Tod von
170.000 Menschen.

Er tut mir leid.

Dass er nicht gestehen kann.

Hingegen sein Opfer, der Gequälte, der erleben musste, dass dieser
Mann seine Familie ins Gas geschickt hat,
ebenso alt, aber
immer noch wach,
immer noch klug,
immer noch lebendig.

Er berichtet von einer schönen Kindheit mit Musik und Sport.

Es scheint, dass es fast nichts Wichtigeres und Erfüllenderes gibt
für einen unglücklichen Menschen, als glückliche
Andere
zu töten.





Dienstag, 9. Februar 2016

Gedicht auf Leben und Tod

Als mein Vater auf der Intensivstation im Koma lag und es danach aussah,
dass er niemals wieder ein funktionierendes Gehirn haben würde,
fragten die Ärzte uns nach einer Patientenverfügung.

Gab es nicht.

Dann fragten sie uns, ob sie ihn reanimieren sollten,
im Falle eines erneuten Herzinfarkts.

Wir stritten.

Meine Mutter war dagegen.
Meiner Bruder war dagegen.
Mein anderer Bruder auch.
Meine Frau sagte, sie hätten Recht.

Ich war der Einzige, der Hoffnung hatte.

Und sei es die Hoffnung auf Heilungsmethoden, von denen wir
jetzt
noch nichts wissen.

Wenige Tage später starb mein Vater an
Nierenversagen.

Was ich nun immerhin weiß:
niemand würde mich zurückholen oder die Last auf sich nehmen, mich
am Leben zu lassen,
sollte mir etwas Ähnliches wie meinem Vater zustoßen.

Meine Mutter nicht.

Mein Bruder nicht.

Mein anderer Bruder nicht.

Meine Frau nicht.

Meine Söhne schon, aber die sind zu jung.

Und eine junge Muslima, der ich mich verbunden fühle,
obwohl unsere Körper einander nie näher gekommen sind als beim Händedruck
zur Begrüßung.

Sie sollte von diesem Gedicht erfahren.





Montag, 8. Februar 2016

The Final Cut

Immer, kurz bevor der Winter
endgültig den Frühlingsstürmen
weicht,
entzünden sich die Nagelbetten meiner Zehen.

Das war schon so, als ich Kind war
und Jugendlicher.

Mit 15
brachte mich meine Mutter zu unserem
Hausarzt, einem freundlichen alten Mann,
der meinen großen Zehennagel
mit einer Art metallischen Winde aus der vereiterten Wurzel riss
und dann ganz
herauszog.

Ich schrie wie am Spieß, keine Betäubung konnte diese Schmerzen
dämpfen.

Die Tränen unterdrückend zwang ich anschließend meine Mutter ins örtliche Karstadt
und bettelte lange, bis sie mir endlich Pink Floyds
"The Final Cut"
Album kaufte.

Blut sickerte aus meinen Schuhen auf den Linoleumboden
in der LP-Abteilung.

Ich spürte den Hass meiner Mutter.
Erst musste sie miterleben, dass ich solche Schmerzen zu ertragen hatte,
obwohl ich doch wissen sollte, dass sie das
belastet
und dann nutzte ich ihre Güte aus und sie musste mir eine LP kaufen. Was  in ihren Augen das Überflüssigste war,
was ein Mensch besitzen konnte.

Es war dann aber tröstlich zu hören, dass Roger Waters wohl noch größere
Schmerzen
zu ertragen hatte,
als ich.





Die Araber

von meinem Kiosk
haben beide große traurige braune Augen,
sind klein und sehr ruhig.

Einmal kamen türkische Jugendliche in den vollgestopften
Laden
und schrieen "Scheiß-Araber",
immer wieder.

Die Araber hinterm Tresen bewegten sich nicht,
schauten auf ihren TV-Schirm oben in der Ecke mit den arabischen
Nachrichten.

Sie sind immer hinter dem Tresen.
Sie verkaufen alle möglichen Zeitschriften, die sie niemals lesen würden
und auch niemals nicht lesen würden.

Sie sind nicht
interessiert.

Sie scheinen mir Gott näher als alle Anderen in dieser Stadt,
obwohl sie sicher keine streng gläubigen Muslime sind.

Sie wirken, als hätten sie nichts zu erwarten und dächten über diesen Zustand
niemals
nach.

Ich stelle mein Vittel-Flasche auf den Tresen, manchmal noch eine
alternative Limonade und lege eine Tüte Nüsse dazu.

"Fünf Öro Swanschisch."



Sturmtief

Wir verwehen.
Wie Bonbonpapiere,
die in karnevalstrunkenen Straßen von sonnenhellen Sturmböen
hochgeschleudert
werden.

Im dröhnenden Himmelsblau ein wenig umherglitzern und ruckartig für immer
verschwinden.

Mein guter Vater, der gütig und klug uns beschützte und sein Haus sturmfest machte, als ich die erste Auszeichnung meines Lebens bekam,
mein guter Freund und Produzent, der mich vor allzu provokanten Torheiten bewahrte und nicht zu stolz war, mich nach Geld zu fragen,
mein Bassist, frei, psychotisch, verrückt, weise, mit seinen stinkenden Zahnruinen
mein Gitarrist, mit seiner Sehnsucht nach den eleganten New-Wave-Jahren in München,
meine liebe Oma, die bei Karstadt nach dem Krieg Bettwäsche verkaufte, mir Sahnebonbons gab, Karl May Bücher und seltene Briefmarken, die verschwunden sind,
meine Schwiegermutter, mit ihrer einfachen Gläubigkeit, ihrem unbeugsamen Willen, ihrem originellen Witz und ihrer Güte,
mein Schwiegervater, ein stolzer Mann um den hunderte Dorfbewohner weinten,
mein Freund der Dorfrocker, der Blut hustete, der Friedhof blau von Rockerkutten,
der größte Gitarrist aller Zeiten, der mich umarmte, weil niemand sonst ihn umarmte und einen seiner Hemdsärmel abriss und mir zum Abschied gab am Flughafen Schiphol
an einem sonnenhellen, stürmischen Februartag nach unzähligen durchwachten Nächten
zugebracht in einer Wand aus Lärm, Ausschweifung, Gelächter und Verzweiflung
-
tot.

The authorities say, my papers are in order and if I wasn' t such a coward, I would run.
Meet me on the other side of town.



Mittwoch, 3. Februar 2016

Nigger Jim

Louis CK did a stand up bit about it.

Reading Tom Sawyer
to his child
and leaving out the N-word.

I did the same reading Huck Finn to my son.

My son didn'  t realize it.

Thank God.

It' s not easy,
'cause it pops up about a million times
in this text
and  since my son can read,
I turned away
the pages
from him.

I managed.

I was proud.

And then, at 7.30 in the morning,
my son turns on the radio and
some singer
yells
NIGGER!!!!!!!
as an intro to a stupid pop song.

My son laughs his ass off.

That' s what he' s gonna yell in school all morning long.

Teachers will hate him.

He will fail all tests.

Girls will adore him.

He' ll be the alpha guy.

The alpha slave.

The top
nigger.



Im Flieger

Der Sauerstoff geht runter.

Die Frau neben mir schnarcht.

Alle hatten Termine.

Lesen iPads oder die kostenlosen Zeitungen,
die auch bald verschwunden sein werden,
weil nicht
digital.

Unten biegt sich Deutschland unter den knirschenden
Plastikflügeln.

Das Surren der Klimaanlage.

Turbulenzen.

Angeschnallt bleiben.

Schaler Tee im Pappbecher.

Müde Stewards.

Ehemals hübsche Stewardessen.

Das Land wird älter.

Wir arbeiten.



Karneval

Eins ist klar:
im Karneval geht es um Sex.
Ausschließlich.
Für alle über 16 auf jeden Fall.
Für Manager, Polizisten, Verkäufer, Krankenschwestern, Arbeiter,
Piraten, Clowns, Batmans, Star Wars-Kämpfer, Funkenmariechen,
Piloten, Stewardessen, Teufelinnen, Engelchen, Rut-wiieße, Soldaten,
Checkertypen, Hippebräute, Catwomen, Neger, Fantasiekostüme usw.
Es geht um Sex.
Alles geht.
Jeder mit jedem.
Millionen kommen genau deswegen her.
Saufen. Sex.
Jeder, wirklich jeder darf einmal im Jahr alle Hemmungen fallen
lassen.

Außer er
kommt aus
Nordafrika.